Kultur, Tourismus, Kulturtourismus

Kultur ist wieder in aller Munde. In Verbindung mit dem ebenso präsenten Thema Heimat tauscht man sich derzeit auf zahlreichen Veranstaltungen dazu aus. Kultur prägt Städte und Regionen und Kulturtourismus kann ein Wachstumsmotor für eben diese sein. Ein spannendes Beispiel dazu gab es im Juli in Berlin. Hier trafen sich Experten der Branche zum Thema im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Wir möchten dies gerne zum Anlass nehmen, das Ganze mal aus der Vermarktungsperspektive zu beleuchten.

Industriekultur Deutschland

Was ist eigentlich Kultur?

Für Kultur braucht es nicht unbedingt ein großes, bekanntes Kunstmuseum. Kultur ist auch Sprache, Braukunst, Tradition. Das bieten neben den „Großen“ auch kleine Galerien, Brauchtumsveranstaltungen und Weinfeste, um nur einige zu nennen. Aber wie erfährt der Gast, der „Urlaub auf dem Land“ macht, davon? Und wie vermeidet er, dass er bei seinem Besuch vor verschlossenen Türen der Galerien oder Kunsthandwerks-Stätten steht?

Kultur Deuschland - Hildesheim

Ist Kultur für Touristen schon zugänglich?

Bei vielen Kulturangeboten gerade in ländlichen Regionen ist die Zugänglichkeit für die Gäste bisher noch deutlich eingeschränkt. Und das macht einen großen Unterschied zur Stadt: Denn hier ist das Angebot so vielfältig, dass es zwar ärgerlich ist, wenn Besucher vor geschlossener Tür stehen, sie aber schnell und kurzfristig auf andere Kulturangebote zurückgreifen können. Auf dem Land geht das meist nicht.

Kunsthandwerk Deutschland

Wie profitiert Destinationsmarketing von der Kooperation zwischen Kultur und Tourismus?

Antwort: In einem einfach zu vermarktenden Produkt! Selten kommt der Gast „nur“ wegen der Kultur in die Region. Sie lockt ihn an, aber wenn er schon mal da ist, dann möchte er auch genießen, aktiv sein und sich wohlfühlen. Ist Kultur also Teil einer durchdachten Destinationsmarke – und nicht Teil einer Aneinanderreihung einzelner Elemente – dann bekommt die Stadt oder die Region ein Profil. Und mit einem klareren Profil lässt sich das Reiseziel als Ganzes noch besser und zielgerichteter vermarkten.

Kunst Deutschland

Ein neuer Ansatz prägt den Kulturtourismus.

Das alles ist nicht neu. Neu ist allerdings der Ansatz: Der Politik geht es verstärkt um die Unterstützung des ländlichen Raumes. Und da kann Kulturtourismus einen klaren Beitrag leisten. Denn: Kreative Köpfe gibt es in Stadt und Land. Allerdings fehlt es gerade in der Fläche mancherorts an Profilschärfe und damit an einer klaren Positionierung im Marketing. Wenn dies nun aber gelingt, dann ergeben sich auch wirtschaftlich positive Effekte für die Region. Und damit steigt auch die Lebensqualität der Einwohner.

Kunsthandwerk Deutschland

Wie gelingt nun eine erfolgreiche Positionierung als kultur-touristische Einheit?

Nun, dazu ist es immens wichtig, dass sich Kultureinrichtungen und Vertreter aus dem Tourismus zusammentun. Viele Interessen von Kultur lassen sich mit denen des Tourismus vereinen, indem man sich gegenseitig zuhört, zu verstehen versucht und Ziele gemeinsam formuliert. Was sind eigentlich die kulturellen Schätze meiner Region? Wie schaffe ich Gästen auch in ländlichen Regionen Zugang dazu? Diese Fragen sollten Sie beantworten. Gemeinsam.

Kultur Deutschland

Überlegen Sie, wie sie Kultur erlebbar machen können.

Dann ist die Entwicklung eines touristischen, vermarktbaren Angebots leichter. Dabei ist Kreativität, wie bereits erwähnt, keine Frage von Standorten. Gesucht und gefunden, stellt sich die Frage, ob sich vielleicht in Kooperation mit regionalen Partnern vor Ort Werkstatt-Besichtigungen arrangieren lassen? Oder kann ein englischsprachiger Guide die Vorstellung der Galerie übernehmen? Lassen sich Themenführungen entwickeln, gemeinsam mit anderen Leistungsträgern in der Region?

Ansätze gibt es viele, auch einfache Lösungen lassen sich erarbeiten. Grundlage dazu ist aber der Austausch, die Zusammenarbeit. Und wenn der Auftritt einmal erarbeitet ist, das Profil entwickelt, dann heißt es, dies zu kommunizieren.

Kulinarik Deutschland

Das Marketing nach innen ist unumgänglich.

Und dabei sollten Sie beachten, die Marke und die Werte nicht nur nach außen zu verbreiten. Jeder weiß: die Einheimischen sind die eigentliche „Nuss“, die es zu knacken gilt. Haben erst einmal die Einwohner die Nutzbarkeit von touristischen Investitionen für sich selbst als Vorteil entdeckt und verinnerlicht, so wächst auch der allgemeine Zuspruch für Tourismus in der Region.

Wir wissen alle, dass die Einstellung der lokalen Bevölkerung und Leistungsträger gegenüber dem Tourismus einen enormen Einfluss auf die Zufriedenheit der Gäste hat. Die Einbeziehung der Bewohner, das Marketing nach innen, ist unumgänglich: Um das Profil später ganzheitlich dem Gast zu präsentieren, für das „Extra“ während des Aufenthaltes, das ihn schließlich zum Wiederkommen begeistert.

Weiterführende Information: Wie vermittelt man Wissen effizient und einfach?

Wie man denn nun Wissen und Information richtig nach innen vermittelt? Stichwort Binnenmarketing im Tourismus? Hier gibt’s einen spannenden Artikel zum Thema:
Wissen vermitteln – Print, Online oder doch der Workshop?